Ich befĂźrchte, dafĂźr wird sich auch in Discourse keine LĂśsung finden lassen, auĂer es fallen jemandem Begriffe ein, die gleich leicht verständlich und trotzdem neutral sind. Alle anderen LĂśsungsansätze sind wegen Platzmangels und/oder der Lesbarkeit in meinen Augen nicht sinnvoll.
An der Stelle verweise ich gerne auf Microsoft / Windows. Solang dort niemand eine LĂśsung einfordert â ich habe bei einer kurzen Suche jetzt keinen groĂen Aufschrei diesbezĂźglich gefunden â und eine brauchbare LĂśsung fĂźr das Dilemma mit Benutzer, Administrator, etc. vorschlägt, fĂźhle ich mich ganz wohl mit den jetzigen Ăbersetzungen.
Ich bin aber nicht stur gegen eine Ănderung und lasse mich gerne mit sinnvollen Vorschlägen zu Ănderungen bewegen.
Dem Anliegen in allen Ehren, aber ich denke auch, dass es extrem schwierig wird etablierte Begrifflichkeiten mit einem geschlechtsbezogen Vorzeichen zu versehen.
Die einzige Option, die ich mir in dem Zusammenhang vorstellen kĂśnnte ist die EinfĂźhrung einer Suffix-Variable â-inâ, â-innenâ, usw., die sich aktivieren lässt, wenn bspw. geschlechtsbezogene VorprĂźfungen stattfanden, âŚ
Also ob
Ein User / Admin / etc ⌠in seinem/ihrem Profil ein Geschlecht hinterlegt hat
Dann muss der konkrete Personenkreis geprĂźft werden
Wenn ja, dann prĂźfe ob es mehrere Admins unterschiedlichen Geschlechts gibt
Wenn nein, dann verwende den Suffix der dem Geschlecht entspricht
Die Ausgabe bei unterschiedlichen (/unbekannten) Geschlechtern fĂźhrt zum Gender-Gau. Dann mĂźsste politisch korrekt hinter jeder Bezeichnung _in /_innen folgen.
Und jetzt mal weitergedacht:
Wie soll man mit der EinfĂźhrung des dritten Geschlechts verfahren??? (1 BvR 2019/16)
Vielleicht kann das ja jemand mathematisch erklärenâŚ
⌠welcher Grad an Komplexität dahinter steckt und theoretisch bei jeden Seitenaufruf mit berechnet werden muss:
⌠wir die deutsche Ăbersetzung geschlechtergerecht machen, stellt sich aus meiner Sicht nicht:
Punkt 2: Eure ersten GedankenâŚ
⌠sind leider ungewollt bezeichnend:
Bitte seid fair und prophezeit dem Anliegen nicht vorab ein Scheitern (âkeine LĂśsungâ).
Bitte trefft ein Urteil erst nach grĂźndlicher Urteilsfindung (âextrem schwierigâ / âAlle anderen LĂśsungsansätze ⌠nicht sinnvollâ / âDie einzige Option âŚâ).
Bitte beachtet, dass geschlechtergerecht, geschlechterneutral und geschlechtsbezogen nicht das gleiche sind.
Bitte fĂźhrt das Thema nicht ad absurdum (âEinfĂźhrung des dritten Geschlechtsâ, âGrad an Komplexitätâ).
Punkt 3: Wenn ich euch richtig zusammenfasse,âŚ
⌠habt ihr zwei LÜsungsansätze berßcksichtigt:
Begriff mit einem anderen Begriff ersetzen, der âgleich leicht verständlich und trotzdem neutralâ ist.
Begriff um Suffix ergänzen.
⌠habt ihr drei Bedenken geäuĂert:
Verständlichkeit
Platzmangel
Lesbarkeit
Mein Kompromissvorschlag wäre (schematisch; analog fßr andere Begriffe):
Wo ohne Einschränkung der Verständlichkeit mĂśglich, âBenutzerâ durch âBenutzerkontoâ ersetzen.
Wo genĂźgend Platz ist: âBenutzerinnen und Benutzerâ / âBenutzerin bzw. Benutzerâ
Wo weniger Platz ist und ohne wesentliche Einschränkung der Lesbarkeit mĂśglich: âBenutzer/-innenâ
Wo absolut kein Platz ist: âBenutzerâ (*)
(*) Hier kĂśnnte ich mir auch vorstellen, zur Hälfte oder immer von âBenutzerinâ zu sprechen (wie es z.B. in wissenschaftlichen Texten zunehmend gängige Praxis ist).
Also es ist ja nicht so, als mßsste man fßr discourse das Rad neu erfinden⌠Es gibt da bereits etliche (platzsparende) LÜsungen sodass es eigentlich nur eine Frage ist, sich auf eine zu einigen:
Auch wenn einige dieser Optionen in der wissenschaftlichen Diskussion wohl als Ăźberholt/veraltet angesehen werden, hier dennoch eine kurze Zusammenfassung:
Der Wunsch von Sam war aber nach geschlechtsneutralen Ăbersetzungen.
Es ist nicht immer einfach, das auseinanderzuhalten. Soweit es mir bewusst ist, ist die deutsche Ăbersetzung bereits geschlechtsneutral. Geschlechtsgerechtigkeit ist eine ganz andere Sache â mir ist Ăźbrigens keine verbreitete Software bekannt, die das kann, aber das ist in unserem Fall natĂźrlich kein AusschlieĂungsgrund.
Von den aufgelisteten Kurzschreibweisen erscheint mir persĂśnlich die Variante mit Unterstrich am leichtesten lesbar, aber das mag mein subjektives Empfinden sein. Und obendrein:
Ein Unterstrich (âMitarbeiter_innenâ) wird auch Gendergap oder Geschlechter-Zwischenraum genannt und macht darauf aufmerksam, dass es mehr als zwei Geschlechter sowie Geschlechtsidentitäten zwischen und jenseits der Frau-Mann-Dualität gibt. (Quelle)
Mag sich jemand die MĂźhe machen und eine (grobe) Liste erstellen, welche Begriffe und Ăbersetzungen betroffen sind? Ich wĂźrde sagen, wenn wir einen Anhaltspunkt haben, wie viele Texte betroffen sind, wo diese in der UI aufscheinen und wie es mit dem Platz ausschaut, dann tun wir uns auch leichter, hier zu einem Konsens zu kommen.
Wenn wir uns hier fĂźr Ănderungen entscheiden, dann sollten wir unbedingt klare Regeln aufstellen, wann wie Ăźbersetzt werden soll, ansonsten gibt es ein ärgeres Chaos als bei Du/Sie.
Hallo Class,
ich muss schon sagen, dass Deine Herangehensweise eine LĂśsung von jetzt auf gleich einzufordern und die âoberlehrerhafte Artâ einer konstruktiven LĂśsungsfindung auch nicht sehr dienlich ist.
The point isâŚ
Wie Du gut erkannt hast, ist es kein Problem der Akzeptanz, sondern eines der âŚ
Zu Deinen âKompromissvorschlägenâ:
Benutzer â Benutzerkonto.
Das muss an der entsprechenden Stelle passen.
Und was wenn jetzt jemand kommt und meint, es mĂźsse auch Benuter_innen_konto heiĂen?
Also dort âwo Platz istâ, was immer das heiĂt bei skalierbaren Fenstern und Mobilgeräten, soll der Text dynamisch ein-/ausgeblendet werden?
Woran willst Du festmachen wie viel Platz wo vorhanden sein muss?
âEinschränkung der Lesbarkeitâ: Was heiĂt das fĂźr Dich? Hast Du ein Beispiel?
Was heiĂt absolut kein Platz?
Zwischenfazit
Du schlägst vier Komplexitätsstufen einer binären Geschlechterunterscheidung vor.
Bei jeder Ăbersetzung mĂźssen dann (2x) vier Varianten (oder mehr?) zur Auswahl stehen, die der Ăbersetzer mit einflieĂen lassen muss.
Die Programmierer_innen (Ăźberwiegend aus dem angelsächsischen Sprachraum) mĂźssen dann bei ihrer Programmierung gleichzeitig die Zeichenanzahl und andere Fenster-MaĂe beachten, um ein RĂźckgabewert fĂźr die Angemessenheit einer Textlänge beurteilen zu kĂśnnen? FĂźr jede Sprache?
Ich widerspreche Deiner Unterstellung, dass ich das Thema ad absurdum fßhre. Im Gegenteil. Ich gebe nur zu Bedenken, dass es sich bei dem o.g. Beschluss um eine Leitentscheidung im Verfassungsrecht handelt. Viele Menschen wollen frei darßber entscheiden, welcher Identität sie sich zugehÜrig fßhlen. Daher darf man das in dieser Diskussion keineswegs einfach so als unlÜsbares Problem abtun oder im Kontext ausblenden, sondern muss sich auch ein Stßck weit am geltenden Recht orientieren.
Du sagst, dass sich die Frage nach dem âobâ gar nicht stellt, weil Du Deine LĂśsung â mit der wir ein Kompromiss eingehen sollen (?!) â als praktikabel ansiehst?
Ich weiĂ ja nicht. In der Literatur verzichtet man auch bewusst darauf an jeder Stelle eine Geschlechter-Differenzierung vorzunehmen. Dort ist zwar Platz aber jedes Buch wäre beim â besten Willen â unleserlich.
Darum kÜnnte ich mich ja durchaus mit einer Gender-Klausel im Impressum oder so anfreunden, die in Deinem vierten Vorschlag entspräche. Nur ohne zusätzliches Sternchen, weil dies der Lesbarkeit nicht dienlich wäre.
Aus Grßnden der leichteren Lesbarkeit wird in der vorliegenden Masterarbeit die gewohnte männliche Sprachform bei personenbezogenen Substantiven und Pronomen verwendet. Dies impliziert jedoch keine Benachteiligung des weiblichen Geschlechts, sondern soll im Sinne der sprachlichen Vereinfachung als geschlechtsneutral zu verstehen sein.
Beispiel: Ob man einen Benutzer oder ein Benutzerkonto sperrt, macht keinen groĂen Unterschied.
Dein Einwand betreffend Benutzerinnenkonto ist allerdings valide.
Den Platzmangel habe ich zwar nicht in die Diskussion eingefĂźhrt (und lediglich als geäuĂertes Bedenken identifiziert), gleichwohl: In FlieĂtexten besteht imho nie Platzmangel. Das Hamburger-MenĂź hingegen wäre
ein Beispiel fĂźr âabsolut kein Platzâ (aktuelles Beispiel: âAlles gelesenâ vs âAlles als gelesen markierenâ). Alle anderen Fälle fallen fĂźr mich in die Kategorie âWo weniger Platz ist [als im FlieĂtext]â.
Das Argument der Lesbarkeit wurde von Gerhard eingefßhrt. @gerhard Hättest du ein Beispiel, wo die Lesbarkeit durch eine Anpassung eingeschränkt wäre?
Wie man es nennt, ist mir - unterm Strich - egal. Es geht mir jedoch nicht um die Geschlechterunterscheidung per se, sondern um Geschlechtergerechtigkeit (was auch mit Geschlechterneutralität erreicht werden kann).
Es wird auch in Zukunft nur eine einzige deutsche Ăbersetzung geben. Die Unterscheidung auf Ebene der Programmierung hattest du selbst ins Spiel gebracht, steht jedoch tatsächlich - wie du jetzt auch selbst andeutest - nicht zur Diskussion. Das wird es nicht geben, eben wegen der zusätzlichen Komplexität.
Die einzige LĂśsung liegt darin, die (einzige) deutsche Ăbersetzung entsprechend anzupassen. Wer fĂźr die eigene Instanz nur die männlichen oder weiblichen Form bevorzugt, kĂśnnte das Ăźber eine Anpassung in der Administration selbst realisieren.
Der Hinweis war im Prinzip wichtig. Es ist jedoch insofern absurd, als wir zunächst Ăźber Geschlechtergerechtigkeit gesprochen haben und die BerĂźcksichtigung des dritten Geschlechts ein weiter entferntes Ziel ist. NatĂźrlich wĂźrde ich das begrĂźĂen, aber solange wir uns nicht auf duale Geschlechtergerechtigkeit einigen kĂśnnen, empfinde ich es als nicht so hilfreich, das dritte Geschlecht in die Diskussion einzufĂźhren.
Das eine steht losgelÜst vom anderen. Mir ist ein Kompromiss (auf den wir uns einigen) lieber als der Status quo. Wenn du die Praktikabilität auf die Unterscheidung auf Programmiererebene beziehst, stimme ich dir gerne zu (ist nicht praktikabel), aber zumindest mein Kompromissvorschlag erfordert das nicht (und ich halte ihn fßr praktikabel).
Der Verzicht auf eine Differenzierung zu Gunsten der männlichen Form ist allerdings ganz klar keine LÜsung und eine Gender-Klausel macht das auch nicht viel besser.
Oder wärst du mit der weiblichen Form plus Gender-Klausel ohne Sternchen einverstanden? Beide Varianten sind diskriminierend mit dem einzigen Unterschied, dass die erste Variante (leider noch) in der Gesellschaft âetabliertâ ist.
An vielen Stellen kĂśnnen wir in einen geschlechtsneutralen Plural flĂźchten: z.B. (die) âNutzendenâ, um (die) âNutzerinnen und Nutzerâ abzukĂźrzen.
Oder es lässt sich die geschlechtspezifische Referenz einsparen. Also nicht âBenutzerinnenkonto/Benutzerkontoâ sondern Schlicht âKontoâ, oder besser âZugangâ.
Geht natĂźrlich nicht Ăźberall und an einigen Stellen wird es stilistisch unschĂśn.
Ich wĂźrde es aber in der Tat SEHR begrĂźssen, optional eine weitestgehend gegenderte de-Sprachversionen zu haben, um sie zumindest Optional den Nutzenden anbieten zu kĂśnnen.
Geschlechtergerechtigkeit dann gegeben, wenn keines der beiden Geschlecht âweiblichâ und âmännlichâ bevorzugt verwendet wird, d.h. in irgendeiner Form ein gerechtes Gleichgewicht besteht.
Geschlechterneutralität eine MĂśglichkeit, diese Gerechtigkeit zu erzielen, indem eine Sprache ohne Anerkennung von Geschlechtern verwendet wird (z.B. âStudierendeâ statt Student(inn)en).
Ich wĂźrde intuitiv die Klammern fĂźr Infixe (z.B. âAdministrator(inn)enâ) und den Slash fĂźr Suffixe (z.B. âBenutzer/-innenâ) bevorzugen, auch wenn das beides nach meiner eigenen Definition zwar nicht geschlechterneutral, aber immerhin geschlechtergerecht wäre. Die Klammern verwenden wir schon bei Singular/Plural-Kombinationen (z.B. âGeburtstag-Emoji(s)â).
Ich schätze nicht, dass es viel mehr als die aufgefßhrten Begriffe betrifft.
Allerdings gibt es im Kontext dieser Begriffe natĂźrlich noch Ăbersetzungen mit Personalpronomen (z.B. âZeige Geburtstags-Emoji(s) neben dem Namen des Benutzers am seinem Geburtstagâ), die man aber insbesondere durch Plural anpassen kann (âZeige Geburtstags-Emoji(s) neben dem Namen von Benutzer(inne)n an ihren Geburtstagenâ).
(Geschlechter-)Gerechtigkeit ist m.E. keine Frage des Vokabulars, sondern wie sie im Alltag gelebt und (vom Einzelnen!) verstanden wird.
Es spielt daher keine Rolle ob Du einen Menschen auf seine / ihre primären Geschlechtsmerkmale (bzw. Gender-Identität - falls sich Ăźberhaupt jemand eingehend Gedanken dazu macht) reduzierst und daraus mehrdimensionale (âneutraleâ???) Anreden ableitest.
[âŚ] Sie kĂśnnen Vorurteile und Hass und negative Einstellungen nicht abschaffen, indem Sie neue Bezeichnungen einfĂźhren. Wenn es so einfach wäre â wunderbar. Vorurteile sind aber kein sprachliches Problem. [âŚ]
Begriffe wie Benutzer, Administrator, Moderator / etc. sind vor meinem geistigen Auge keinesfalls mit einem männlichen Geschlecht âvorbelastetâ. Ich sehe sie vollkommen technisch (= ihrer Funktion nach) und fern ab jeder geschlechtlichen Orientierung. Solange ich mich selbst als heterosexueller Mann nicht in eine(n) trans-/inter-/homosexuellen Mann/Frau eindenken kann, fällt es mir auch reichlich schwer das konkrete Gender-Problem zu identifizieren.
Einem Kind ist es auch herzlich egal, ob Mama und Papa dieses oder jenes (Gender-)Geschlecht haben. Wichtig ist dem Kind, dass es gleichermaĂen geliebt und verstanden wird.
Klar, wenn man älter wird erkennt man, dass die Wirtschaft sich brennend fßr die sexuelle Identität interessiert, weil sie hieraus einen doppelten / dreifachen Profit schlagen kann. Aber ich denke nicht, dass das auch nur im entferntesten etwas mit (funktionsorientierten / politsich neutralen) Benutzeroberflächen in Software zu tun hat.
Ich wßnsche Dir trotzdem bei deinem Vorhaben, allgemeingßltige Sprachkonventionen jedem aufzuerlegen, viel Erfolg! Und das meine ich wirklich ernst. (Doch bedenke auch, dass man es mit der politischen Korrektheit auch ßbertreiben kann und dies eine Gesellschaft auch spalten kann - siehe u.a. die Kommentare aus der AfD Wählerschaft fßr ihre Wahlgrßnde. Daher ist es ja klar, warum Merkel und andere Politiker eine Neuwahl nichts mehr scheuen, wie der Teufel das Weihwasser)
In diesem Sinne: Be liberal in what you accept, and conservative in what you send.
â Jonathan Bruce Postel
Du hast das Grundproblem exakt erfasst (fĂźr privilegierte, weiĂe, heterosexuelle Männer ist es besonders schwer, die Diskriminierung nachzuvollziehen). Dann bist du aber vom Thema abgeschweift (Kapitalismuskritik) und hast eine Opferrolle ins Spiel gebracht (âSprachkonventionen jedem aufzuerlegenâ). Beides ist mir zu abstrus, um darauf einzugehen.
Mit Spitzfindigkeit kommen wir hier leider nicht weiter: Dass verschiedene Begriffe unterschiedliche Bedeutungen oder Nuancen haben, steht auĂer Frage.
In der Regel dĂźrfte der Unterschied jedoch keine Rolle spielen: Der Nuancenunterschied zwischen âStudierendeâ und âStudentenâ ist in der Praxis irrelevant, und selbst wenn er relevant wäre, kann eine Abwägung zugunsten der Geschlechtergerechtigkeit sinnvoll sein.
Der Vorschlag von Andreas zur Geburtstag-Emoji-Ăbersetzung ist analog ein gutes Beispiel dafĂźr, dass die LĂśsung schlichtweg in einer Abweichung vom englischen Originaltext liegen kann:
KĂśnnen wir uns darauf einigen, dass wir fĂźr die Ăbersetzungen von Version 1.9 den aktuellen Stil beibehalten und die wenigen, bereits durchgefĂźhrten Ănderungen (@claas) rĂźckgängig machen?
Wie wir damit in Zukunft umgehen sollten, bedarf wohl noch einiger Diskussion. Ich werde mich auch noch mehr mit der Materie beschäftigen und einen genaueren Blick auf die vorhandenen Ăbersetzungen werfen, bevor ich meine Gedanken und ggf. LĂśsungsvorschläge kundtue.
Wenn man Userinterfaces Ăźbersetzen mĂśchte, sollte man nach MĂśglichkeit immer mindestens 3-stufig vorgehen:
a) erstmal eine (fast) wĂśrtliche Ăbersetzung. NatĂźrlich mit besten Absichten.
b) Sich dann komplett(!) vom Text lĂśsen und den Satz neu formulieren, so wie es âĂźblichâ und sinnvoll wäre. (Sich in die Nutzenden hineinzuversetzen versuchen und dann Ăźberlegen: Was mĂźsste da stehen, dass auf den ersten Blick klar ist, worum es geht. Relevantes nach vorn im String, Floskeln raus, HĂśflichkeit ist eine Last auf Mobildisplays, wenn der Platz zum Problem wird. Wenn den Besuchenden klar ist, dass sie sich in einem Dialog einloggen wollen, dann reicht âLogin:â, da muss nicht âBitte tragen Sie hier im Forumlar ihren Benutzerlogin ein (Achtung: Gross- und Kleinschrift beachten)â. So einen Text kann man sich als Hinweis âfĂźr den ersten Failed loginâ oder als Bubble-Help aufheben, wenn das UI das hergibt.)
c) sich alles noch mal im Kontext anschauen und blĂśdsinnige Wiederholungen herausstreichen (z.B. wenn in einem Szenario schon âoben drĂźberâ die Prompts klar machen, worum es geht, dann muss der dritte String nicht auch nochmal alles wiederholen⌠und zu viele âbitteâ und âeingebenâ auf einem Bildschirm sind auch nicht schĂśn.
(artifizielles Bespiel: hintereinander: âBitte stellen Sie hier ihre Profildaten einâ âHier kĂśnnen Sie ihre Benachrichtungen einstellenâ âBitte tragen Sie hier ein, ob sie Benachrichtungen via Email erhalten mĂśchtenâ)
Absolut einverstanden. (Die âĂnderungenâ waren allerdings Einträge, die bei mir in Transifex als unĂźbersetzt erschienen und wo ich das dann einfach zum Anlass genommen habe, damit zu experimentieren.)
Gut zusammengefasst, habe ich selbst tatsächlich Ăźberwiegend schon so gemacht. Mit der Betrachtung im Kontext ist es so eine Sache: Ohne Frage ist das erstrebenswert, aber leider nicht immer praktikabel (aus ZeitgrĂźnden und/oder weil das Feature ganz frisch ist und/oder der Text Ăźberhaupt nur in sehr speziellen Konstellationen erscheint, die sich manuell nicht ohne groĂen Aufwand und/oder reproduzieren lassen). FĂźr die Fälle, in denen die erste Ăbersetzung nicht funktioniert, gibt es das separate Thema zur Meldung von Fehlern:
Wir schweifen ab⌠Discourse hat da schon einen guten Kompromiss zwischen âAtomisierten Wort-Ăbersetzungenâ und âKein String wird recycledâ:
Wenn wir feststellen, dass wir das Identitätsgeschlecht der Nutzenden brauchen, dann wird man ggf. eben unterschliedliche Languagefiles nehmen, ein âDeutsch-Du-Erâ, ein âDeutsch-Du-Sieâ, ein âDeutsch-Sie-Erâ und ein âDeutsch-Sie-Sieâ. (oder wie auch immer benamst.)
Das ist allerdings weder eine echte LĂśsung (verschiebt die Diskriminierung nur in die Blase; fĂźr genderbewusste Menschen ist âBenutzerinnenâ statt âBenutzerâ auch keine LĂśsung) noch eine (von den GrĂźndern von Discourse) erwĂźnschte LĂśsung, zumal Transifex das nicht nativ unterstĂźtzt, sprich die Variationen darĂźber nur unabhängig voneinander Ăźbersetzt werden kĂśnnten (was den Aufwand linear erhĂśht und Inkonsistenz bewirken wĂźrde).
FĂźrs erste wĂźrde es vielleicht auch schon genĂźgen, an besonders exponierten Stellen (wie zB BegrĂźĂung, FAQ, Nutzungsbedingungen) die Form âBenutzerinnen und Benutzerâ zu verwenden. Das sendet ein erstes Signal an die Benutzenden, dass wir als deutsches Ăbersetzungsteam uns der Sache bewusst sind und mittelfristig eine mĂśglichst gerechte LĂśsung zu finden.
Wenn die Diskussion dann irgendwann auf dieser Grundlage weitergeht, wäre es gut, das Thema wirklich auf die wie-Frage zu beschränken und die ob-Frage in ein anderes Thema verschieben (fßr jene die sie diskutieren wollen). Geschlechtergerechte Sprache ist sicher auch ein Streitthema (wenn sie es nicht wäre, wäre sie nicht so wichtig), aber wenn man konkrete Umsetzungsvorschläge diskutieren will, ist es nicht sonderlich hilfreich, wenn immer wieder jemand genau diesen Zweck der Diskussion in Frage stellt.
Bezogen auf die Discourse UI darf man auĂerdem eines nicht vergessen: es geht letzten Endes nicht darum, der (deutschsprachigen) Welt bestimmte Sprachregelungen aufzuzwingen, denn jede(m*r) [???!] Forumbetreiber*in ist es freigestellt, die StandardĂźbersetzungen nach Lust und Laune anzupassen und das wird natĂźrlich auch gemacht werden. Die Frage ist nur: wem wird diese Anpassungsarbeit zugemutet und wer bekommt was er/sie will frei Haus?
Dann gibt es natĂźrlich noch die âGrauzoneâ, wo Leuten die StandardĂźbersetzungen nicht 100% passt, sie sich dann aber doch nicht die Arbeit des Anpassens machen wollen. In dieser Grauzone kann Discourse den sozialen Wandel befĂśrdern.
Dann trennt es. Solang das Thema des Threads so ist, dass unter diesem prinzipiell beides diskutiert werden kann, dann wird auch genau dieses passieren. (Mit der Gefahr von zyklischen Diskussionen nach dem alten Karl-Valentin-Sprich: âEs ist alles gesagt, nur noch nicht von jedemâ. In der Forum-Inkarnation: Es kommen Neulinge dazu, die auch nochmal gern sagen wollen, dass sie eine Meinung haben.
Zum Thema:
Welche technischen MĂśglichkeiten gibt es, unterschiedliche âDeutsch-Stileâ zu implementieren im existierenden Discourse, ohne dass diese âkomplett getrennte Sprachenâ sind? Kann man da evtl. irgendwie ânuancenâ umschalten? Und wenn nein, wäre es sinnvoll? Wenn sinnvoll, wie kĂśnnte das technisch aussehen?
Wenn es nur immer âein deutsch fĂźr alleâ gibt, dann mag das zwar einer anglozentristischen Sichtweise entsprechen, aber allein die Fähigkeit anderer Foren-Software zwischen âDeutsch-Duâ und âDeutsch-Sieâ auf User-(Settings-)Ebene plus einem Default fĂźr unangemeldte Besuchende zu unterscheiden: Wäre ein Beleg dafĂźr, dass Discourse dort Aufholbedarf hat.
Wenn das ânur ein Deutsch fĂźr alleâ, dann kĂśnnte man sich âWikipedia-Styleâ auf den bewusst fĂźr die AutorInnen schmerzenden Standpunkt zurĂźckziehen: Wir schreiben nicht, was wir selbst fĂźr richtig halten, sondern nur das, âwas Minimalkonsenz ist. Und wennâs den nicht gibt, das was Gesetzgeber und Gerichte sagenâ. Selbst wenn wir das selbst fĂźr inhaltlich falsch halten. (âEnzyklopädisten Masochismusâ)
In Konsequenz mĂźsste man sich dann z.B. an die Sprachakrobatik halten, die fĂźr Stellenausschreibungen genutzt werden. Also ein Feld in dem die Formulierungen hinreichend âdurch Gerichteâ ausgefochten sind.
Und ja, das wir dann häĂlich und produziert Formulierungen, die nach SchildbĂźrgerstreich und wieherndem Amtsschimmel/Amtsstute anmuten.